Vang
Vieng
07.01.2005 -
10.01.2005
Vang Vieng schlummert friedlich
am Flussufer des Nam Song inmitten einer höhlendurchzogenen wilden
Karstlandschaft. Ein Eldorado für Backpacker, Kletterer und
Höhlenforscher! 32 Höhlen soll es geben, davon sind bereits 17 erschlossen, also für Besucher freigegeben. Allerdings ist
nur eine einzige Höhle durchgehend beleuchtet und über feste Treppen
zugänglich. Bei allen anderen Höhlen heißt es: Kraxeln und Taschenlampe
mitbringen.
Wir wollen einen Höhlenausflug mit
einer Radtour kombinieren und leihen uns zwei Drahtesel mit Sitzpolster
auf dem Gepäckträger aus. Ziel ist die Höhle Tham Phu Kham.
Über einen ein Meter breiten Holzsteg mit Geländer auf
nur einer Seite geht's balancieren wir über einen Fluss. Die Brücke
ist in Privathand, so müssen wir ein paar Cent Passiergebühr bezahlen.
Die sandige Piste führt uns ein
paar Kilometer an Siedlungen und einzelstehenden Hütten vorbei. Ein
Junge gibt mir wirre Handzeichen, die ich als Bitte um eine
Mitfahrgelegenheit deute. Ich nicke kurz und schon wirft sich der Bube
lächelnd auf meinen Rücksitz (Bild rechts). Amelie und er tauschen wortlos musternde
Blicke von Gepäckträger zu Gepäckträger aus.
Die Sonne drückt. Die Straße geht auf und ab. Ohne Gangschaltung und Rücktritt in kniequälend
tiefer Sattelposition mit miserablen Bremsen wird die als sanfte
Radwanderung geplante Tour zur schmerzhaft staubigen Schweißhölle.
Amelie findet alles dufte, sie muss ja auch nicht treten.
Selten haben wir uns nach etwa zehn Kilometern Fahrradrallye so auf ein Ziel gefreut. Aber wir müssen noch
den 200 Meter
steilen Anstieg zur Höhle absolvieren. Annette geht in den Vorstieg, ich
bleibe hinten mit Amelie. Unsere Lütte klettert ganz allein die spitzen
Felsen hinauf. Immer schön langsam und mit Bedacht Griffe und Tritte
setzen. So, von hinten abgesichert, macht ihr das Kraxeln richtig Spaß
(Bild links).
"Du musst Mama dann erzählen, dass ich ganz alleine gegangen
bin" drängt sie mich. Oben angekommen, verkünde ich Annette die
stolze Botschaft.
Die Tham Phu Kham ist eine
Höhle mit riesigem kuppelförmigen Eingangsbereich. Der Blick schweift
bis zu
zweihundert Meter ins Höhlengedärm. Nach nur
wenigen Schritten eröffnen sich uns kirchenorgelgleiche Gesteinsformationen und bizarre Stalaktiten. Ohne Taschenlampe erkunden wir die ersten
ca. 150 m der Höhle - bis zu einer zeltüberdachten Buddha-Statue (Bild
rechts).
Von hier kann man weiter in finstere
Höhlengänge eindringen, allerdings braucht man dazu eine
höhlentaugliche Leuchte. Das wird dann wohl unsere nächste Anschaffung. Außerdem wollen wir die Abenteuerlust unserer Tochter nicht
überstrapazieren und sie langsam an anspruchsvollere Ausflüge
heranführen.
Nach einer Stunde Staunen und
Herumstöbern treten wir den Rückweg an. Ich nehme Amelie Huckepack, der
Abstieg ist zu steil für sie.
Unten angekommen, nimmt Papa ein Bad
im Bach. Hierfür werfe man die Klamotten von sich, ergreife eines der
Seile, die über eine Baumgabel gespannt sind und schwinge sich
tarzangleich in die Bachmitte, worauf man mit frei gewähltem Kunstsprung
ins Wasser abschließt.
Während die sehnigen muskulösen
Backpacker vorwiegend den einfachen Salto wählen, gibt Vater Clavin die
klassische "Plumps-Robbe". Spaß macht's trotzdem. Keiner
lacht so laut wie Amelie. Und darum gibt's die "Robbe" insgesamt
viermal.
Da wir zu faul sind, den gleichen
Weg zurückzutreten, nehmen wir uns eine landwirtschaftliche Zugmaschine
mit Anhänger. Nein, das ist kein Trecker. Vielmehr ein Motor
mit Radachse, aus dem eine meterlange Lenkergabel zum Anhänger führt.
Ich nenne das ganze "Agrar-Dragster" (Bild links). Nur sind die Vehikel
kaum
schneller als aufgescheuchte Hühner.
Zurück in Vang Vieng entdecken wir
eine zweite Holzbrücke über den Fluss. Von der Brücke stürzen
sich eine Handvoll nackiger Laoten-Jungs in den Fluss und kapern unter
lautem Gejohle vorüberziehende Touristenkajaks. Den Kajakpiloten gelingt es
gerade noch unter großem Gelächter, ihr Boot vor dem Kentern zu
bewahren. Ein Riesenspaß für alle (Bild rechts).
Von der Brücke führen
Bretterplanken auf eine Insel in der Flussmitte. An der Insel, noch im
Wasser, liegen eine Handvoll offener Hütten mit Sonnendach (Bild links). Aus den
Lautsprechern der angeschlossenen Bar plätschert gemächlich Musik von
Bob Marley und den Chili Peppers. Wir strecken uns in einer Hütte aus,
flößen uns Brause (Amelie, Annette) und Bier (Malte) ein und genießen
den Sonnenuntergang hinter dem malerischen Bergrücken.
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